Neuer Wein - Schäumende Vorfreude

Für eine zunehmende Fangemeinde Kult: der Federweiße, hier im Dubbeschobbe-Glas; Foto: deutscheweine.de

»Der Neue«, oder auch »Federweißer« genannt, ist ein Genuss, der einfach zum Herbst in der Pfalz dazu gehört, wie zum Beispiel auch leckerer Zwiebelkuchen und köstliche Edelkastanien. Die herzhaften Aromen, gepaart mit der dezenten Süße der Zwiebel, passen wunderbar zum vollmundigen Federweißen. Ideal passt er auch zu gebuttertem Laugengebäck, Lauchtorte oder zu Leberwurst mit heißen Pellkartoffeln, denn Federweißer braucht eine deftige Unterlage.

Als „Federweißer“ bezeichnet man den noch in Gärung befindlichen Traubenmost. Wegen der sprudelnd entweichenden Kohlensäure nennt man ihn in manchen Gebieten auch „Rauscher“, „Blitzer“ oder „Sauser“. Manche lieben ihn süß, gleichsam frisch von der Kelter, wenn er noch Traubensaft ist und die Gärung den Geschmack kaum verändert hat. Aber echte Freunde des Federweißen hingegen warten, bis er zu gären anfängt. Dann ist es oft eine Sache von Stunden, bis der Höhepunkt des individuellen Geschmacks erreicht ist. Grundsätzlich sollte man den Federweißen direkt nach dem Einkauf einmal probieren. Schmeckt er bereits harmonisch süß, ist es am besten, ihn gleich zu trinken. Will man ihn erst später genießen, gilt es den Federweißen zu kühlen. Dort ist er dann etwa eineinhalb Wochen haltbar. Nach einigen Tagen verliert er jedoch seine Spritzigkeit, denn die Bildung des CO2 findet nicht mehr statt.

Die Frage, woher der Name „Federweißer“ kommt, lässt sich am Besten mit einem Schoppenglas gärenden Mosts vor Augen beantworten: Die milchig-weiße Färbung des Getränks, das durch die frei werdende Kohlensäure von innerem Leben erfüllt ist, erinnert an den Tanz von Tausenden wirbelnder Federchen - so die beinahe poetische Erklärung. Ein Leichtgewicht ist der Federweißer deshalb noch lange nicht; denn seine Spitzigkeit verheimlicht nur allzu gerne die Kraft, die in ihm steckt. Je nach Körperkonstitution und Gewicht sind zwei bis drei Viertel eine gute Orientierung, um nicht von seiner Wirkung überrascht zu werden.
Gesund ist der Verzehr von Federweißem allemal, besitzt der junge Wein doch einen hohen Vitamingehalt und Bioelemente der Hefe, die zu den wichtigen Vitaminsynthetisierern zählen. Vor allem die Vitamine B1, B2 und B6 lassen sich im Federweißen in größeren Mengen nachweisen. Außerdem betonen Wissenschaftler, dass die Hefezellen nicht im Magen absterben, sondern auch noch im Darm entschlackend wirken. Über die verdauungsfördernde Wirkung des Neuen gibt es ja hinreichend einschlägige Berichte oder gar eigene Erfahrung. Was als Federweißer vermarktet werden darf, ist längst durch europäisches Recht geregelt. In einer Klarstellung der Europäischen Gemeinschaft heißt es: „Es sei herkömmlich und üblich, unter dem Begriff ‚Federweißer‘ ein im Zustand der Gärung befindliches frisches Erzeugnis zu verstehen. Wird die Gärung durch Konservierung zeitweise unterbrochen, so ist die Angabe ‚Federweißer‘ nicht mehr zutreffend. Ihre Verwendung wäre somit unzulässig. Der Verbraucher würde über die tatsächliche Art des Erzeugnisses falsch unterrichtet.“

Bei der Produktion von Federweißem gehört die Pfalz zur Spitze in Deutschland. Üblicherweise stammt mehr als die Hälfte des in Gesamt-Deutschland erzeugten Federweißen von der Deutschen Weinstraße. In den vergangenen Jahren wurden laut Weinbauverband Pfalz bis zu 1,5 Millionen Liter Bitzler oder Süßer vermarktet. Dies ist zwar weniger als ein Prozent der durchschnittlichen Pfälzer Jahresweinernte, doch die Nachfrage steigt ständig. Pfälzer Federweißer wird entweder an Getränkemärkte oder Fachhändler überall in Deutschland versandt, oder er wird ab Hof, bzw. im Straßenverkauf direkt an Endverbraucher abgegeben. Einige Betriebe haben sich regelrecht auf das Geschäft mit neuem Wein spezialisiert und bieten Jahr für Jahr spätestens Ende August ihren „Neuen“ an.

 

RS