Bad Dürkheim an der Deutschen Weinstraße
Die knapp 20000 Einwohner zählende Stadt Bad Dürkheim ist seit Jahrhunderten weithin bekannt: Burgen, Wald und Wein, Kaisersitz, Kurbad sind natürliche und historische Eckpunkte, die die Stadt am Ausgang des Isenachtals neben vielen anderen beschreiben. 1969 kam eine weitere wichtige Eigenschaft hinzu, die Bad Dürkheim auch kommunalpolitisch aufwertete: Mit der Verwaltungsreform in Rheinland-Pfalz wurde aus der Wein- und Kurstadt auch eine Kreisstadt.
Über den Weinbau gibt es Urkunden zwar erst aus dem Jahr 1258; aber Ausgrabungen beweisen, dass die Römer schon zu Beginn der christlichen Zeitrechnung hier wirkten. Bad Dürkheim gehört zu den drei größten weinbautreibenden Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland, knapp 1300 Hektar Rebfläche gehören zur städtischen Gemarkung. Die Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten Kloster Limburg weist im Namen auf Bad Dürkheims Wahrzeichen „Limburg“ hin.
Im Stadtteil Ungstein ist eine Römerkelter restauriert, gleich daneben wurde ein römisches Landgut ausgegraben und teilweise aufgebaut. Im Weingut Fitz-Ritter arbeitet eine der ältesten deutschen Sektkellereien. In Bad Dürkheim findet das „größte Weinfest der Welt“, der Dürkheimer Wurstmarkt jährlich am zweiten und dritten Wochenende im September statt. 1934 entstand als Meisterwerk der Küferkunst das größte Fass mit 1,7 Millionen Fassungsvermögen. am Wurstmarktplatz, das als uriges Restaurant für über 600 Gäste dient.
Besiedelt war der Dürkheimer Raum schon um 1000 v. Chr. durch die Kelten. Gefunden wurde ein Fürstengrab, auf dem Ebersberg, oberhalb der Stadt existiert eine Fliehburg, deren Ringwall eine Länge von zwei Kilometern und eine Breite von 600 Metern aufweist. Die Römer betrieben damals einen Steinbruch, den „Krimhildenstuhl“. Die ersten urkundlichen Erwähnungen über die Stadt findet man im Lorscher Kodex 778, als „Turincheim“. Der Ort gehörte zum Besitz der salischen Herzöge. Der Salier Konrad 11, welcher 1024 König und 1027 deutscher Kaiser wurde, schenkte diesen Besitz 1035 dem Benediktinerkloster Limburg, das an der Stelle einer alten salischen Burg errichtet worden war.
Die Leininger Grafen erhielten die Stadt 1237 von der Limburg als deren Schutzvögte zum Lehen. Die Leininger errichteten 1260/70 eine Burg und begannen 1359 den Ort zu befestigen. Kurfürst Friedrich I. entzog Dürkheim 1471 Schutzvogtei und Stadtrechte. Erst 1554 wurden die Leininger wieder Herren der Stadt und blieben es bis 1794. Im 30jährigen Krieg, 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Platz stark durch Truppen Ludwigs XIV. und durch französische Revolutionstruppen zerstört. 1725 zogen die Grafen von Leiningen von der Hardenburg hinunter nach Dürkheim und bauten dort ein Schloss, danach wurden die Grafen zu Fürsten erhoben, so dass Dürkheim 1774 fürstliche Residenz war. Nach den Revolutionswirren 1794 flohen die Leininger ins Rechtsrheinische; nach Amorbach im Odenwald, dort ist die Familie heute noch zu Hause. Der Wiener Kongress schlug 1816 Bad Dürkheim mit der Pfalz zu Bayern. An der Stelle des Schlosses entstand 1822-26 das heutige Kurhaus, das damals als Rathaus diente. Zerstörungen erlitt Bad Dürkheim auch durch einen Bombenangriff im 2. Weltkrieg. Die Stadtsanierung, die Ende 1978 begann ist nunmehr abgeschlossen. Ausgedehnte Fußgängerzonen und weite Plätze, die zum Feiern und Flanieren einladen, prägen das neue Stadtbild. In der Innenstadt hat sich viel alte Bausubstanz der alten Winzerhäuser mit Fachwerk erhalten. Zahlreiche über 100jährige Villen stehen unter Schutz, so ist auch ein großer Teil der Kaiserslauterer Straße Denkmalzone.
Das Prädikat „Bad“ erhielt Dürkheim 1905. Heute ist die Stadt eines von vier Rheinland-Pfälzischen Staatsbädern. Ursprünglich war es die Traubenkur, die von überall Bürger und Adelige anlockte; das „pfälzische Meran“ machte von sich reden. Jahrzehnte machte diese Kurart Pause, bis sie 1990 zu neuer Blüte fand. Zweites Standbein der Gesundheit in der Kurstadt ist das Salz. Salzquellen sind schon im 14. Jahrhundert bekannt. Auf dem Boden des 1472 aufgelösten Klosters Schönfeld im Osten der Stadt entstand die erste Saline. Die Leininger und Kurpfalz betrieben Salzgewinnung und -handel ab 1595, was eine gewisse wirtschaftliche Blüte brachte. 1736 wurde das erste Gradierwerk durch Kurfürst Karl Philipp, die „Philippshalle“ erbaut. Das heutige entstand 1860, welches 1992 schon einmal teilweise abgebrannt war und nach dem Wiederaufbau im vergangenen Jahr das gleiche schlimme Schicksal erneut traf.
Das Kurhaus wurde 1826 im klassizistischen Stil nach Weilbrenner erbaut. In ihm residiert auch eine Spielbank. Ostwärts erstreckt sich der große Kurpark, in geometrischen Formen gehalten, mit dem Valentin-Ostertag-Brunnen, der im Jugendstil erbaut wurde und an den Wohltäter der Stadt erinnert. Noch heute erhält am 14. Februar, seinem Namenstag, jedes Dürkheimer Schulkind zur Erinnerung einen „Veltens-Weck“, also ein Valentins-Brötchen. Denn mit dieser zeitlosen milden Gabe, die auch bei den vielfach verwöhnten Kindern unserer Tage noch immer begehrt ist, hat sich Valentin Ostertag ein Denkmal gesetzt. Es ist ein populärer Teil der Ostertag-Stiftung, die seit 1511 besteht und deren Stifter 1507 in Nürnberg verstorben und dort auch begraben ist. (Rita Steinmetz)
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