"Zur Blume" in Edesheim

"Pfälzischer" Rheinländer Peter Kreutz

Edesheim ist zwar nicht direkt an der Weinstraße gelegen, aber aus der pfälzischen Genuss- und Weinlandschaft keinesfalls weg­zudenken; befinden sich doch namhafteste Wein- und Ge­nussgüter aller Couleur hier äußerst konzentriert auf wenigen Quadrathektar bebautem Boden. Hier tummeln sich sehr bekannte und we­ni­ger Bekannte Anlaufstellen, wobei man allerdings nicht sagen kann, ob der Be­kanntheitsgrad des Erzeugers auch immer direkt proportional der erzeugten Qualität entspricht.

Seit einigen Jahren jedenfalls ist uns in diesem kleinen Paradies für Genießer eines der wohl urigsten Weinstuben, die wir kennen, besonders herzig aufgefallen, nämlich „Zur Blume“ in der etwas versteckten Ludwigstraße. Dass die kleine Stube mit vielleicht gerade mal 30 Sitzplätzen im Laufe der Jahre bereits einen deutlichen Kultstatus entwickelt hat, beweist allein schon die Tatsache, dass hier ohne Reservierung gar nichts zu machen ist – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Fast schon Ironie, dass hier, in einer der pfälzischsten Weinstuben, die es gibt, ausgerechnet ein gebürtiger Rheinländer, mit allem Esprit, wofür diese bekannt sind, die Gäste bewirtet und sogar an bestimmten Tagen mit Gitarre „bewaffnet“ und Mikrofon vor dem Mund zu unterhalten vermag. „Locker vom Hocker“ nennt er solche Abende.
Die Tatsache, dass an den holzvertäfelten Wänden weit über 500 (!) Korkenzieher installiert sind, ist weniger Beweis dafür, in einer Weinstube zu sitzen als vielmehr die überaus liebenswert-schrullige Mi­schung aus allem – die Weinkarte, die individuelle Küche der Patronin Uschi Kreutz, die alles mit viel Herzblut zubereitet, das ganze Ambiente und nicht zuletzt alles „gewürzt“ mit lockeren Sprüchen des Kölners, der, während er ständig um das Wohlergehen der Gäste bemüht ist, fast immer einen spontanen Kalauer bereit hält, wie zum Beispiel auf die Frage eines Gastes, ob er diesen „Eimer“ nochmal gefüllt bekommen könnte (gemeint war in diesem Fall eine Wasserkaraffe), antwortete: „Ihnen ist aber schon klar, dass ich nicht der Bademeister bin, sondern der Wirt?!“ woraufhin man gewohnterweise schallendes Gelächter überall im Raum hört. Stille, verträumte Ecken, wo man für sich alleine sitzt, sucht man in einer typisch pfälzischen Weinstube oh­ne­hin vergeblich.

Nun, würde man den „pfälzischen“ Rheinländer nach seiner Einschätzung fragen, was ein Kultlokal ist, würde er niemals sein eigenes Lokal als solches definieren. Fest steht, dass die Schar derer, die diesen be­schau­lichen Ort besuchen, echte Wiederholungstäter sind und zu den Stammgästen zählen. Ist ja auch kaum verwunderlich. Hat man einmal einen Abend in der „Blume“ genossen, ist es fast unmöglich, diesem Charme zu widerstehen. Man kommt einfach immer wieder. Erst recht, wenn der überaus pittoreske kleine Hof in den wärmeren Monaten zur Verfügung steht.

Weine

Eigentlich fast überflüssig zu betonen, wenn es um eine ernst zu nehmende Weinstube geht, aber die Weinkarte ist löblicherweise mit einer respektablen Auswahl an namhaften vinophilen Kredenzen be­stückt, wie etwa von August Ziegler aus Maikammer, Karl Pfaff­mann aus Walsheim, Weingut Graeber in Edenkoben und viele andere mehr. Dass es hier eine gute Auswahl an Weinen gibt, mag noch nicht einmal etwas Besonderes sein, sehr wohl allerdings, dass es hier auch ein frisch gezapftes, waschechtes Kölsch vom Fass gibt! Allein schon diese Begebenheit, allem Anschein nach der Herkunft des Gastgebers geschuldet, ist eine absolute Ausnahme auf pfälzischem Boden.

"Südfranzösische Fischsuppe"
"Kalbsleber"
"Maispoularden-Brust"

Küche

Die rustikale, liebenswerte Pfälzer Küche ist in hiesigen Gasthäusern bekanntlich omnipräsent. Hier in der Blume jedoch wird nicht nur dem berühmten Traditionsgericht Saumagen Aufmerksamkeit gehuldigt, wie natürlich auch anderen typischen Wein­stu­ben-Gerichten, wie Winzersteak (8,–), Schweinskopfsülze (9,80), Rump­steak (14,– „nackt“, mit wahlweise Beilagen zum Aufpreis) und vieles mehr, sondern Uschi Kreutz kommen mitunter auch recht ausgefallene Ideen. Sowohl bei den Vor- Haupt- und Nachspeisen finden sich allerlei bunte Schwärmereien aus Nah und Fern. Alles mit Liebe zubereitet und – natürlich! – frisch gekocht. Klar, dass es dann die eine oder andere Minute länger dauert, vor allem, wenn das Lo­kal wie gewohnt brechend voll ist. Ist einmal ein bestimmtes Gericht oder eine gewisse Zutat nicht selbst gemacht, steht das lobenswerter­weise immer ausdrücklich dabei, wie z.B. bei den Maultaschen, dann lautet der Kommentar auf der Karte: „…nicht selbst gemacht, aber lecker!“. Auf der Tageskarte entdeckt man außerdem Extrawürste der Chefin in Form von „Lammbratwürsten“ (10,50), „Teufelssteak“, einer tollen Grill-Kreation mit Tomatenauflage, mit Schafskäse überbacken (11,50) und mehr.

Wir entscheiden uns heute für eine „Südfranzösische Fischsuppe“ (7,50, siehe Bild). Die Kreutz‘sche Version der Bouillabaise besteht aus einer Wein-Tomaten-Basis, reichlich aufgepeppt mit Meeresfrüchten, Chili, Gemüse und Kräutern. Eine überaus feine Abstimmung mit dem interessanten Hauch von Schärfe, wobei of­fen­bar ein Klecks Sahne für das insgesamt runde Geschmacksbild sorgt. Als Hauptspeise wählen wir „Kalbsleber“ (14,50, siehe Bild), eine fein geschnittene und kurz gebratene Version mit Apfel und Zwiebel. Die kleine Hommage an die Berliner Küche wird gekrönt mit etwas Trüffelöl-verfeinertem Kartoffelstampf und einer wahnsinnig-göttlichen Portwein-Balsamico-Sauce. Mit etwas Nou­gat und dunkler Schokolade trimmt die Chefin das Sößchen zur Höchstform. Puh! Man muss echt aufpassen, dass man nicht dem Suchtfaktor erliegt.
Des Weiteren ordern wir die „Maispoularden-Brust“ (13,90, siehe Bild). Diesen „geflügelten“ Anklang an Fernost bereitet Uschi Kreutz aus vielerlei Zutaten. Mit Erdnussblättern und Fruchtnoten, die sie Aprikosen, Ananas und Datteln entlockt, zaubert sie einen indisch anmutenden Duft nach Kardamom, Ingwer und Cumin; das Ganze wird abgerundet mit einer Basmati-Duftreis-Beilage. Vorab gibt es dazu einen knackigen Salat, der mit einem Senfdressing sehr fein abgestimmt wird.

Fazit:
Wer schon mal hier war, kommt garantiert immer wieder. Weinstuben mag es viele geben in der Pfalz. Aber „die Blume“ gibt es definitiv nur einmal. Unbedingt rechtzeitig reservieren – spontan vorbeischauen ist nahezu unmöglich.

Adresse:
Weinstube Zur Blume  |  Lindenbornhof
Ludwigstraße 118  |  67483 Edesheim
Telefon: 06323 - 3584
Geöffnet Do–So ab 17.00 Uhr sowie gesonderte Events
Homepage: www.lindenbornhof.de