Fellini al Teatro

Außenansicht
Serviertisch
Lokal
Der Wein zum Essen
Die Caramelle al Porcini (gefüllt) mit Steinpilzsauce

Es ist äußerst schwierig, die Philosophie der beiden Italiener Michele Pennella und Michael Meier von der Trattoria „Fellini al Teatro“ auf einen Punkt zu bringen. Die Bezeichnung Trattoria kommt denn auch einer solchen Definition am nächsten, wenngleich dieser Begriff gerade in Deutschland leider allzusehr abgegriffen ist. Die allermeisten Lokale, die sich gern mit der Bezeichnung Trattoria schmücken, verdienen dies nämlich gar nicht. Zu oft wird dieser Begriff missbraucht für eigentlich ganz normale Pizzerien, wo die italienische Küche ganz und gar durch die deutsche Durchschnittserwartung geprägt ist. Eine Trattoria im engeren Sinn jedoch bezeichnet hingegen ein Lokal, wo grundehrliche, einfache Mahlzeiten zubereitet werden und zwar stets aus marktfrischen Zutaten, wo dann der passende lokale Wein dazu ausgeschenkt wird — wo das Ganze in einer betont familiären, keineswegs abgehobenen Ristorante-Atmosphäre statt findet. Typisch ist hier eine extrem übersichtliche Speisekarte (falls eine solche überhaupt existiert!), bei manchen ländlichen Lokalen gibt es gar nur ein einziges Tagesgericht, welches täglich wechselt und natürlich dem momentanen Marktangebot angepasst ist. So ist garantiert alles echt, frisch, authentisch, spontan, vielleicht auch ein wenig rustikal und bodenständig.

Im Fall vom Koch Michele Pennella kann man allerdings nicht nur von einer einfachen, ehrlichen Küche sprechen. Er versteht sich gleichsam als Künstler am Herd. Die Zutaten werden von ihm in allerstrengster Manier ausgewählt. Bei ihm wird weder Dosenware, noch Tiefkühlware oder gar Fertigware irgend einer Art verwendet und selbst die frischen Zutaten kommen nur von ausgewählten Fischhändlern, Metzgern, Bauern und sonstigen Lieferanten, wo er ganz genau weiß, was der Gast später auf den Tisch bekommt. Sogar das Mehl, welches er für seinen Pizzateig bzw. für die (selbstverständlich selbst gemachten) Pastagerichte verwendet, ist nicht das billige 405-Type Mehl, sondern er kauft eigens ein besonders hochwertiges Mehl aus Italien, welches ein Vielfaches davon kostet. Sogar Dinkelmehl kommt für bestimmte Gerichte (bzw. auf besonderen Kundenwunsch) zum Einsatz. Selbstredend, dass solch ein Restaurantbesuch im Fellini al Teatro nicht unbedingt dem Durchschnittsgeschmack eines deutschen Gastes entspricht. Ein Besuch bei Michele Pennella ist immer mit dem Hauch des Unberechenbaren behaftet, wie bei einem Künstler eben! Nie kann man völlig sicher sein, dass ein Gericht, welches noch vor zwei Wochen bei ihm auf den Tisch kam, dort genau so wieder zu bekommen ist. Etwa, wie das Leben auch ständigen, täglichen Veränderungen unterworfen ist, so verstehen die beiden Italiener ihr Restaurant zu führen; immer spontan und ehrlich, stets frisch und aus allerbesten Zutaten zubereitet und vor allem authentisch. Es wird hier ganz offensichtlich nicht die große »haute cuisine« mit raffiniertesten Würzmethoden oder gar der »Michelin-Sternenhimmel« angestrebt, sondern hier in unmittelbarer Nähe vom Pfalz-Theater in Ludwigshafen baut man vielmehr auf die konsequente Qualität der Zutaten; gibt es beispielsweise gerade keinen bestimmten frischen Fisch auf dem Markt, dann gibts auch keinen solchen Fisch auf dem Teller im Fellini al Teatro. So einfach ist das.

Am 2.12.10 besuchten wir das Lokal. Inhaber Michael Meier begrüßte uns sehr freundlich und ließ durch seinen smarten Charme ganz schnell erkennen, worauf es bei ihm ankommt. Er entschuldigte sogar fast schon gleich im Voraus, dass die Speisekarte bewusst spärlich ausfällt, um sicher zu gehen, dass alles, was in der Küche zubereitet wird, nicht aus einem vorgegarten Einheitsbrei kommt, sondern alles spontan und frisch gemacht wird. Klar, dass die Wartezeit auch etwas länger dauern kann. Dafür wird man jedoch beim Essen reich belohnt. Die Wartezeit wurde bei uns überbrückt mit einem kleinen Antipasti-Teller nebst einem köstlich schmeckenden Pizza-Brot. Es wurde uns ein „Villa Orsini Chianti Superiore 2008“ ausgeschenkt. Michael Meier erklärt uns, dass die Superiore-Weine aus dem Chianti-Gebiet erst neun Monate im Fass reifen müssen, und weitere drei Monate auf der Flasche liegen müssen, bevor sie für den Handel zugelassen sind. Somit ist also der 2008er ganz neu. Was wir da im Glas zu kosten hatten, war einfach vorzüglich. Ein betont fruchtiger, sehr gefälliger Wein, der zum nachfolgenden Essen hervorragend passte.
Der nächste Gang war ein Salat, zubereitet mit verschiedenen weißen und roten Salatsorten, angemacht mit Zwiebeln, Speck u. 8 Jahre altem Balsamico und gekrönt mit pfefferig-saftigen Leberstücken.
Anschließend kam die Vorspeise, bestehend aus »Tagliatelle Bolognese«, sowie »Caramelle Porcini« mit Schafskäse u. Steinpilzen, in einer Steinpilz-Sauce.
Der Hauptgang war »Medailloni« vom Schwein in Pinot Grigio, mit Pistazien und Salbei, dazu gebratener Chicoree.
Zum Abschluss wurde uns ein Teller hausgemachtes Tiramisu gereicht, welches zu unserer freudigen Überraschung nur wenig süß schmeckte. Dazu gabs einen Espresso, der seines Gleichen sucht. Michael Meier betont, dass die Espressobohnen wiederum eine ganz besondere Qualität haben. Die Bohnen werden in einer speziellen Handröstung so schonend geröstet, dass der Magen dabei nicht gereizt wird.

Fazit: O welch glanzvolles Preis-Leistungs-Verhältnis! Wenn es doch mehr solcher Restaurants gäbe, wo ein solches Maß an kompromissloser Qualität auf dem Teller landet – und das Ganze sogar bezahlbar! Das Fellini al Teatro ist ohne jeglichen Zweifel eines der allerbesten Italienischen Restaurants weit und breit. Wer die wahre italienische Küche einmal gerne erleben möchte, sollte unbedingt einen Besuch in Ludwigshafen planen... Selbst ein weiterer Weg lohnt sich!

Michael Meier und Michele Pennella
Theaterplatz 10 | 67059 Ludwigshafen | Tel.: 0621-65 05 53 77
E-Mail: boccacciopasolini@yahoo.it
Internet: www.fellini-al-teatro.de