2011 — ein Spitzen-Jahrgang?
1811, 1911, 2011... noch wollten die Experten nicht von einem Jahrhundertjahrgang sprechen, denn das 21. Jahrhundert ist noch jung. Einigkeit aber herrschte zumindest beim Kamingespräch der Pfälzer Weinwirtschaft über einen „Super Jahrgang“, einen Elfer, der in jedem Fall jetzt schon Weingeschichte schreibt. Nachdem die Natur unsere Pfälzer Winzer monatelang auf die Folter gespannt hatte, wurde ihnen schließlich ein Jahrgang beschert, der das Zeug zum absoluten Spitzenjahrgang hat. Sogar in vielen frostgeschädigten Weinbergen waren die nachgetriebenen Trauben noch ausgereift und erzielten unerwartet hohe Mostgewichte.
Ernte gut, alles gut: Nachdem die Wetterkapriolen Sorge bereitet hatten, war bei Weingütern und Genossenschaften die Freude über das glückliche Ende umso größer. Nach dem Mini-Jahrgang 2010 wurde eine Erntemenge von ca. 2,3 Millionen Hektolitern eingefahren. Fachleute schwärmen bereits von der Qualität des 2011ers mit mineralischen Weißweinen mit angenehmer Säure sowie von dichten, farbintensiven Roten. Die Jungweine schmecken nicht nur äußerst fruchtig, sie rollen auch vollmundig und gut entwickelt über die geübte Weinzunge. Überdurchschnittliche Qualitäten versprechen wahre Genussfreuden. Bei den Neupflanzungen im Weinland Pfalz geht der Trend eindeutig zu den Klassikern wie Riesling und Burgunderarten.
Liebhaber seltener Rebsorten dürfen gespannt sein, wie Weißer Heunisch oder Grüner Veltliner sich in der Pfalz entwickeln. Insgesamt sind bei den Pflanzungen die Weißen auf dem Vormarsch. Interessant auch, wie sich das Verbraucherverhalten gegenüber dem Flaschenverschluss entwickelt hat: Der Schraubverschluss gewinnt gegenüber dem Korken zunehmend an Akzeptanz. Der wertige Glasverschluss behauptet sich ebenfalls, während der sogenannte Gummistopper als Weinflaschenverschluss rückläufig ist. Wohin die Geschmacksrichtung der Weinfreunde tendiert, das verdeutlicht die Statistik der Qualitätsweinprüfung in 2011: Wenn es überhaupt je eines gab, so gibt es das „Trockendiktat“ nicht mehr. Liebliche und halbtrockene Vertreter ihrer Art behaupten sich mit zusammen 49 Prozent gegenüber den trockenen Weinen (46,7 Prozent). Der Rest, das sind die Edelsüßen...
Pfalzwein: Prämierungsjahrgang der Rekorde!
Die Pfalz ist Spitze! Für sich spricht: Von landesweit knapp 15 000 vergebenen Kammerspreismünzen gingen 6724 allein in die Pfalz. In 2011 erging ein Medaillenregen von Gold und Silber. Überreicht wurden an Pfälzer Winzer 20 Staatsehrenpreise und dazu 16 Ehrenpreise seitens Institutionen. Sechs Betriebe (Wilhelmshof Siebeldingen, Pfaffmann Erben Walsheim, Alfons Hormuth St.Martin, Rössler-Schneider St.Martin, Volker und Bernd Schreieck Maikammer, Johannitergut Mußbach) wurden für kontinuierlich herausragende Leistung mit dem Großen Staatsehrenpreis ausgezeichnet. Die Kammerpreisprämierung 2011 im Neustädter Saalbau — traditionell am ersten Freitag im Dezember zugleich die gemeinsame Weihnachtsfeier der großen Pfälzer Weinfamilie — war einmal mehr die gelungene Siegesfeier mit Verkostung ausgewählter Tropfen. Weinbauamtsleiter Stefan Hilz und sein Team bewiesen wieder ein ausgesprochen gutes Händchen bei der Auswahl des Unterhaltungsprogramms mit Musik und Kunstradfahren. Hauptakteure auf der Bühne aber waren die preisgekrönten Winzer - von Landwirtschaftsministerium Ulrike Höfken und Weinbaupräsident Norbert Schindler gemeinsam geehrt und für beispielhafte Glanzleistungen gewürdigt. Neuerdings können Teilnehmer an der Landesweinprämierung auch mit einem entsprechenden Schild am Weingut für sich werben. Ein „Haus der prämierten Weine“ zeigt dem Kunden, daß hier ein Winzer sich dem neutralen, unabhängigen Wettbewerb stellt.
Judith Ziegler-Schwaab

